Silberdistel für den AK

Unser AK Urbane Gärten hat heute die Silberdistel der Augsburger Allgemeinen verliehen bekommen. Es ist eine Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement. Die Silberdistel, handgefertigt in der Augsburger Silberschmiede, wird monatlich an ehrenamtlich engagierte Menschen im Verbreitungsgebiet der Augsburger Allgemeinen vergeben.


Gärtner im Asphaltdschungel

Städter sehnen sich nach Grün. Der Arbeitskreis Urbane Gärten Augsburg hilft ihnen, sich ihren Traum zu erfüllen – auf Brachen und in Hochbeeten. Dafür wurde er ausgezeichnet.

Von Ute Krogull, Augsburger Allgemeine am 22. August 2016. Foto: Silvio Wyszengrad

Klink-Thoma_Foto Silvio-Wyszengrad_AZ-22-08-2016Stadtgärtner haben es schwer. In Augsburg mussten die einen meterweise Schotter austauschen, andere können nur in Hochbeeten pflanzen, weil der Boden verseucht ist. Es fehlt an Platz. 1000 Augsburger stehen auf der Warteliste für einen Kleingarten.
Und es fehlt an Wissen. Mal einfach einen Sonnenblumenkern in die Erde stecken? Von wegen! Tine Klink, Vorsitzende des Arbeitskreises Urbane Gärten in Augsburg, gibt Seminare, in denen sie erklärt, wie man Tomaten aussät oder Salat umtopft. Die Leute haben aber Lust darauf, in der Erde zu wühlen, selbst Angebautes zu ernten, weiß sie. Und manchmal können sie nicht wählerisch sein, wo sie etwas pflanzen. Mit der Silberdistel – in der Natur ein außergewöhnliches und wehrhaftes Gewächs – zeichnet die Augsburger Allgemeine ne Gärten aus. Der Arbeitskreis versucht, eine Stadt zu begrünen.

Es geht nicht nur ums eigene Beet
Tine Klink und ihre Mitstreiterin Susanne Thoma haben beide einen Schrebergarten. Trotzdem arbeiten sie bei anderen Projekten. Klink sagt: „Ich wollte immer einen Garten, ein Haus in der Stadt können wir uns nicht leisten, auf dem Land zu leben, ist auch keine Option. Ich will aber gärtnern, draußen sein, das ist beruhigend.“ Und sie wollte mal etwas ganz anderes wagen. Thoma erklärt, was so anders ist am Stadtgärtnern: „Hier geht es um mehr als um die eigenen 15 Quadratmeter.“ Auf einem ehemaligen Kasernenareal haben sich zum Beispiel 70 Beetpaten für den interkulturellen Garten „Grow up“ zusammengefunden. Sie kommen aus allen Schichten, Altersgruppen und vielen Nationen.
Die Beete sind ein Flickenteppich wie die Stadtgesellschaft. Die einen hegen Salat in Reih und Glied, bei anderen wuchert ein Kuddelmuddel aus Blumen und Gemüse, irgendwer hat nur Chilis gepflanzt, eine Asiatin zieht Schlangenkürbisse an hohen Stäben. Über die Pflanzen – und die Rezepte dafür – kommen die Menschen ins Gespräch.

Bewegung stammt aus New York
Es gibt gemeinsame Arbeitseinsätze, die „Kräuterschnecke“ haben alle zusammen angelegt, im Frühling findet eine Pflanzen- und Saatgut-Tauschbörse statt, die sich zu einem Frühlingsfest entwickelt hat. In anonymen Städten kann Garten Gemeinschaft stiften. „Urban Gardening“ entstand bezeichnenderweise in den Nachbarschaftsgärten von New York.
Außer „Grow up“ gehören deshalb ein Sozialkaufhaus und ein Jugendzentrum, eine Asylinitiative und das Quartiersmanagement des Problemstadtteils Oberhausen zum Arbeitskreis, außerdem der Gemeinschaftsgarten „City-Farm“ und das Jugendprojekt „YouFarm“. Die Gartler legten bereits mit Asylbewerbern Beete an oder bastelten hängende Gärten für Balkon und Fensterbrett aus Konservendosen und Plastikflaschen. Der Arbeitskreis leistet viel Aufklärungsarbeit.

Geheimtipp im Stadtzentrum
Unlängst organisierte Klink eine Radtour zu zwölf Gartenprojekten. Da waren etwa die Sonnenäcker dabei, auf denen man eine Parzelle von einem Landwirt pachten und beernten kann. Ein kleines Hochbeet an einem schicken Platz im Stadtzentrum, wo Bürger selber garteln dürfen, war ebenfalls ein Ziel der Tour – und ein wahrer Geheimtipp.
Not macht erfinderisch: Die Gartler haben eine Tauschbörse im Internet eröffnet und bekommen auch Pflanzen von einer örtlichen Gärtnerei geschenkt. Susanne Thoma zeigt mit einem besonderen Garten, dass Anpflanzen überall möglich ist: Sie radelt mit einem Anhänger, der mit Thymian, Estragon, Liebstöckl und Salbei bepflanzt ist, durch die Stadt. Wer will, kann davon etwas mitnehmen.
Nicht dagegen bei „Grow up“: Hier ärgern sich die Beetpaten immer wieder darüber, dass Diebe Tomaten stehlen, Salat ausreißen und ganze Blumentöpfe mitnehmen. Aber deswegen gibt der AK Urbane Gärten nicht auf. Die Mitglieder haben noch viele Ideen.

Mehr Obstbäume!
Sie würden sich wünschen, dass die Stadt mehr Obstbäume pflanzt (geht offenbar nicht, weil die Äpfel jemandem auf den Kopf fallen könnten), dass Bürger Baumscheiben begrünen dürfen (geht nicht, weil sie dabei stolpern oder überfahren werden könnten) oder dass man in den malerischen Wallanlagen Beete anlegt (geht gar nicht). Aber Gärtner sind ja bekanntlich geduldige Menschen.

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